Mit dem Herzen siehst du besser

Hast Du auch schon einmal bestimmte Gefühle in der Gegend Deines Herzens wahrgenommen? Früher gab es keine wissenschaftlichen Beweise dafür, aber nun hat die Wissenschaft aufgeholt. Neuere Studien zeigen nicht nur, dass unser Herz selbst eine Art von Gehirn ist. Sie erklären sogar, wie das Herz mit dem Gehirn kommuniziert und wie es unsere Wahrnehmung und Emotionen beeinflusst. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen auch, im Herzen ist eine neuronale Struktur angelegt, die der in unserem Gehirn ähnelt.

Das Herz – unser zweites Gehirn

Das Herz scheint buchstäblich ein zweites Gehirn zu sein. Denn zum Erstaunen vieler Forscher enthält das hoch komplexe Nervensystem des Herzens etwa 40.000 Neuronen, die ein eigenständiges und vom Gehirn und unserem autonomen Nervensystem unabhängig agierendes Netzwerk bilden. Dieses Netzwerk steht über vielfältige Wege in Kommunikation mit unserem Kopf-Gehirn. Die Nervenbahnen aus dem Herzen laufen bis in die höheren Zentren im Gehirn und haben offenbar großen Einfluss auf die Amygdala - ein wichtiges Zentrum für Instinkte, Emotionen und Angst. Interessant ist dabei, dass das Herz-Gehirn offenbar völlig eigenständig „denkt“ – und zwar unabhängig von Gehirn und Nervensystem.

Das Herz als Hormondrüse

In den achtziger Jahren wurde das Herz erstmals als eine Hormondrüse klassifiziert. Im Nervensystem des Herzens werden genau wie im Gehirn verschiedene Neurotransmitter und Hormone ausgeschüttet, die Einfluss auf den ganzen Körper haben. Das Hormon Oxytocin ist dabei besonders interessant, weil es als das „Liebes-Hormon“ gilt, das maßgeblich Mutterliebe, Verbundenheit, Toleranz, Verständnis und soziales Verhalten beeinflusst.

Das Magnetfeld des Herzens

Außerdem belegen Forschungsergebnisse, dass vom Herz ein Magnetfeld ausgeht, welches 500 - 5000 Mal stärker ist als das unseres Gehirns. Es ist ein Magnetfeld, welches das Nervensystem anderer Menschen beeinflusst und noch mehrere Meter vom Körper entfernt messbar ist. Dieses Herz-Feld pulsiert und sendet komplexe rhythmische Muster durch den ganzen Körper, wodurch es offenbar eine Vielzahl von Prozessen beeinflusst. Übrigens, auch unser Gehirn synchronisiert sich immer wieder auf diesen elektromagnetischen Puls.

Wenig überraschend ist es da, wenn die Forscher am Institute of Heart Math berichten, dass negative Emotionen ein sehr gestörtes rhythmisches Muster hervorrufen, während, Liebe, Freude und andere positive Emotionen sehr harmonische und gleichmäßige Felder erzeugen.

Herzverbindung – die Synchronisation der Herzen

Du fragst Dich nun vielleicht: Welche Bedeutung hat das für unsere Beziehungen? Experimente am Institute of Heart Math haben Hinweise darauf geliefert, dass das elektromagnetische Feld des Herzen Informationen zwischen Menschen übertragen kann. Das Institute of Heart Math konnte einen Austausch von Herz-Energie zwischen Individuen messen, die bis zu 1,5 Meter voneinander entfernt waren. Die Ergebnisse dieser Versuche haben die Forscher veranlasst zu folgern, dass das Nervensystem als eine Art „Antenne“ fungiert, die auf die elektromagnetischen Felder eingestimmt ist. Die Forscher glauben, diese Fähigkeit zum Austausch von energetischen Informationen ist eine angeborene Fähigkeit, welche das Gewahrsein erhöht und wichtige Aspekte wahrer Empathie und Sensibilität für andere vermittelt.

Ein konstruktiver Umgang mit schwierigen Emotionen

Im sozialen Alltag bleibt es nicht aus, dass wir mit dem Leid anderer konfrontiert werden. Beispiele reichen von kranken Verwandten bis hin zu Freunden, die Liebeskummer haben. Zudem kann das Arbeitsumfeld einen ernst zu nehmenden Stressfaktor darstellen. Um Reaktionen wie Burnout zu vermeiden, stellt sich die Frage, wie man konstruktiv mit schwierigen Emotionen anderer umgehen kann.

Als positive Reaktion sind zwei soziale Emotionen denkbar: Empathie und Mitgefühl. Empathie bedeutet, die Emotion der anderen Person zu teilen, sich also mitzufreuen oder mitzuleiden. Mitgefühl hingegen beschreibt die Besorgnis um jemanden, der leidet mit dem gleichzeitigen Ziel, dieser Person zu helfen. Das Trainieren von Mitgefühl stärkt positive Emotionen im Alltag und fördert Hilfeverhalten.

Der Nutzen des Trainierens von Mitgefühl

Um Mitgefühl zu trainieren, können wir auf Erkenntnisse und Methoden einer 2000 Jahre alten, buddhistischen Meditationsmethode zurückgreifen, die sich liebende Güte oder „Metta“ nennt. Sie beruht darauf, dass Gefühle der Freundlichkeit und Wärme gleichermaßen für alle Menschen gestärkt werden. Es scheint, dass Mitgefühl es ermöglicht, mit der negativen Realität in Kontakt zu bleiben, während gleichzeitig positive Gefühle aufgebaut werden. Diese Kombination aus Wahrnehmung von Leid und positiver Motivation könnte eine zentrale Voraussetzung für Hilfeverhalten sein, welches durch Mitgefühlstraining erhöht wird. Gleichzeitig kann der Anstieg in positiven Gefühlen ein ganz entscheidender Aspekt sein, um etwa Burnout zu verhindern. Mitgefühl bietet einen doppelten Nutzen. Einerseits werden positive Emotionen bei der Person gestärkt, die Mitgefühl, erlebt. Andererseits wird prosoziales Verhalten gefördert, was der leidenden Person hilft.

Fünf konkrete Schritte zum Trainieren von Mitgefühl

Nehme Dir 10-15 Minuten Zeit und sorge dafür, dass Du nicht gestört wirst. Setze oder lege Dich hin und gehe in eine meditative, entspannte Haltung. Danach gehst Du durch die folgenden Schritte. Benutze Deine Vorstellungskraft für jeden einzelnen Schritt.

  • 1. Schritt: wir entwickeln ein Gefühl von Freundlichkeit und Wohlwollen uns selbst gegenüber
  • 2. Schritt: wir entwickeln ein Gefühl von Freundlichkeit und Wohlwollen gegenüber einen Menschen, der uns nahe steht
  • 3. Schritt: wir entwickeln ein Gefühl von Freundlichkeit und Wohlwollen gegenüber einen Menschen,  der uns gleichgültig ist
  • 4. Schritt: wir denken an jemanden, den wir nicht mögen oder schwierig finden
  • 5. Schritt: wir stellen und alle vier Personen gleichzeitig vor:  uns selbst, dem Freund/Nahestehenden, der neutralen Person und schwierigen Person. Dabei schliessen wir alle vier in Freundlichkeit und Wärme ein. Dann lassen wir die liebevollen Gefühle frei fliessen, zunächst zu allen Menschen in unserer näheren Umgebung und dann in immer weiteren Kreisen zu allen Menschen und allen Lebewesen.

 

© 6.12.2016 text by Cordula Mezias, das Copyright und die kommerzielle Nutzung des hier veröffentlichten Textes verbleiben bei der Autorin; Bild freestockgallery "I love you"